Mehr als 1.000 Teilnehmende und 140 Speaker diskutierten am 10. und 11. September in Wien. | © AIT/Schiffl
Mehr Tempo bei der Skalierung neuer Technologien, engere Verbindungen zwischen Forschung und Industrie und mehr privates Wachstumskapital: Bei den Technology Talks Austria 2026 standen zentrale Voraussetzungen für eine stärkere technologische Position Europas im Mittelpunkt. Mehr als 1.000 Teilnehmende und 140 Speaker diskutierten am 10. und 11. September in Wien über technologische Souveränität und Resilienz.
Unter dem Leitthema „Empowering Europe: Technological Leadership for a Resilient Future“ umfasste die Konferenz zwei Keynotes, sechs Plenary Sessions, zwölf Workshops, drei Veranstaltungen für Jungforschende und fünf Side Events. Insgesamt waren 48 Partner aus der österreichischen Forschungs-, Technologie- und Innovationscommunity beteiligt.
Europa soll Innovationen schneller skalieren
Ein wiederkehrender Punkt der Diskussionen war die Lücke zwischen wissenschaftlicher Stärke und wirtschaftlicher Umsetzung. Europa verfüge über leistungsfähige Forschung, innovative Start-ups und eine starke industrielle Basis. Neue Technologien müssten jedoch schneller demonstriert, erprobt und in größerem Maßstab eingesetzt werden können.
Dafür brauche es durchgängige Transferwege zwischen Universitäten, außeruniversitärer Forschung, Start-ups und Industrie. Gleichzeitig wurden schnellere Entscheidungs- und Genehmigungsprozesse als wesentliche Voraussetzung genannt, um im internationalen Technologiewettbewerb bestehen zu können.
„Gemeinsam entwickeln wir hier konkrete Perspektiven für Europas technologische Zukunft“, sagt Brigitte Bach, Sprecherin der Geschäftsführung des AIT Austrian Institute of Technology und Vorsitzende des Veranstaltungskuratoriums der Technology Talks Austria.
Mehr Kapital für europäische Technologieunternehmen
Neben Forschung und Regulierung rückte die Finanzierung von Wachstumsunternehmen in den Mittelpunkt. Als notwendig wurden ein stärker integrierter europäischer Kapitalmarkt, mehr privates Wachstumskapital und bessere Exit-Möglichkeiten für innovative Unternehmen gesehen.
Zugleich müsse Europa stärker als gemeinsamer Heimatmarkt für Technologieunternehmen funktionieren. Nationale Fragmentierung und regulatorische Hürden erschweren nach den Schlussfolgerungen der Konferenz derzeit die schnelle Skalierung über Ländergrenzen hinweg.
Europa müsse dabei nicht in jedem Technologiefeld eine globale Führungsposition anstreben. Entscheidend sei vielmehr, jene Bereiche zu identifizieren, in denen wissenschaftliche Kompetenz, industrielle Stärke und strategische Bedeutung zusammentreffen, und dort ausreichend kritische Masse aufzubauen.
Resilienz beginnt bei Technologie und Lieferketten
Ein weiterer Schwerpunkt war die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen und technologischer Systeme. Resilienz müsse bereits bei deren Entwicklung berücksichtigt werden. Dazu zählen sichere Systeme ebenso wie diversifizierte Lieferketten und ein verlässlicher Zugang zu kritischen Rohstoffen, Energie und Vorprodukten.
Technologische Souveränität wurde dabei nicht mit vollständiger Unabhängigkeit gleichgesetzt. Vielmehr gehe es um die Fähigkeit Europas, bei strategisch wichtigen Technologien eigenständig entscheiden und handeln zu können und gleichzeitig mit vertrauenswürdigen internationalen Partnern zusammenzuarbeiten.
Auch Dual-Use-Technologien spielten eine Rolle. Da zahlreiche Schlüsseltechnologien sowohl zivile als auch sicherheits- und verteidigungsbezogene Anwendungen ermöglichen, sollen entsprechende Anforderungen künftig früher in Forschung und Entwicklung einbezogen werden.
„Dabei diskutieren wir zentrale technologische Entwicklungen und wichtige Zukunftsfragen“, sagt Andreas Kugi, Vorsitzender des Programm-Komitees der Technology Talks Austria und Scientific Director des AIT.
An den Debatten beteiligten sich unter anderem Christian Ehler vom Europäischen Parlament, Jo De Boeck von imec, Marie-Agnes Strack-Zimmermann vom Europäischen Parlament, Dominique Foray von der EPFL Lausanne, Sabine Herlitschka von Infineon und der Industriellenvereinigung, Lars Reger von NXP Semiconductors sowie Natalie Guichard von der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA).
