Der Bedarf an praktischen Wissenschaftsangeboten zeigt sich nicht zuletzt an den Besucherzahlen. | © feelimage / Mater
Wissenschaft nicht nur erklären, sondern selbst erlebbar machen: Seit 20 Jahren ermöglicht das Vienna Open Lab Einblicke in die molekularbiologische Forschung. Mittlerweile nutzen rund 14.000 Menschen jährlich das Angebot des Wiener Mitmachlabors. Gemeinsam mit dem Verein Open Science – Lebenswissenschaften im Dialog, der sein 25-jähriges Bestehen feiert, blickte die Einrichtung bei einer Jubiläumsveranstaltung am 21. Oktober am Vienna BioCenter auf ihre Entwicklung zurück.
Aus einem kleinen Kellerlabor ist eines der etablierten Angebote für praktische Wissenschaftsvermittlung in Österreich geworden. Das Vienna Open Lab war bei seiner Gründung das erste molekularbiologische Mitmachlabor des Landes. Heute stehen Besucher 38 unterschiedliche Kursprogramme zur Verfügung, in denen sie selbst experimentieren und wissenschaftliche Methoden kennenlernen können.
Die Nachfrage ist hoch: Auch mit mittlerweile zwei Laborräumen sind die angebotenen Kurse nach Angaben der Betreiber häufig rasch ausgebucht.
Vom Kellerlabor zum Bildungsangebot
Das Vienna Open Lab wird von Open Science gemeinsam mit dem Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften betrieben. Ziel ist es, molekularbiologische Forschung für unterschiedliche Altersgruppen zugänglich zu machen und wissenschaftliche Zusammenhänge durch eigene Experimente verständlich zu vermitteln.
Der Ausbau der Laborkapazitäten war ein wichtiger Entwicklungsschritt. „Mein Highlight der letzten 20 Jahre war der Ausbau und die Eröffnung des zweiten Laborraums. Der Andrang auf unser Angebot war so groß, dass ein Labor nicht mehr ausgereicht hat“, erinnert sich Geschäftsführerin Karin Garber-Pawlik.
Das Kursangebot richtet sich unter anderem an Schulklassen und interessierte Erwachsene. Die Teilnehmer können im Labor praktische Erfahrungen sammeln und erhalten Einblicke in aktuelle Fragestellungen der Lebenswissenschaften.
Damit ergänzt das Vienna Open Lab den klassischen naturwissenschaftlichen Unterricht um unmittelbare Erfahrungen mit Forschungsmethoden und Laborarbeit.
25 Jahre Wissenschaftskommunikation
Während das Vienna Open Lab sein 20-jähriges Bestehen feiert, blickt der gemeinnützige Verein Open Science – Lebenswissenschaften im Dialog auf 25 Jahre Wissenschaftskommunikation zurück.
Der Verein organisiert Veranstaltungen und Projekte, die Forschung verständlich machen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern sollen. Darüber hinaus beteiligt sich Open Science an nationalen und internationalen Initiativen zur Weiterentwicklung dialogorientierter Wissenschaftskommunikation.
„Wissenschaftskommunikation kann Wissenschaft zugänglicher machen und Menschen dabei unterstützen, sich eine eigene, informierte Meinung zu bilden. Das ist seit mehr als 25 Jahren unsere Mission und dabei haben wir immer wieder Pioniergeist bewiesen“, erklärt Geschäftsführerin Brigitte Gschmeidler.
Bei der Jubiläumsveranstaltung am 21. Oktober am Vienna BioCenter stand neben der bisherigen Entwicklung auch die Bedeutung der Wissenschaftsvermittlung für Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft im Mittelpunkt.
Andrea Barta, Sprecherin des Vereins, verwies auf die zahlreichen Projekte mit unterschiedlichen Zielgruppen sowie auf den Austausch von Erfahrungen und Methoden innerhalb der Wissenschaftskommunikation.
Barbara Kraus, kaufmännische Direktorin des IMBA, unterstrich die langjährige Zusammenarbeit mit Open Science: „Als IMBA und ÖAW sind wir stolz darauf, verlässliche Partner von Open Science zu sein und dieses Alleinstellungsmerkmal des ersten österreichischen Mitmachlabors am Standort zu haben.“
Wissenschaftsvermittlung als Standortfaktor
Auch Vertreter der öffentlichen Fördergeber betonten bei der Jubiläumsfeier die Bedeutung einer verständlichen Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Barbara Weitgruber vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung hob den Beitrag der Wissenschaftskommunikation zur Verbindung von Forschung und Gesellschaft hervor. Sie verwies dabei insbesondere auf die Bedeutung wissenschaftlicher Bildung für Vertrauen und demokratische Meinungsbildung.
Thomas Saghi vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus betonte die Rolle entsprechender Angebote für Kinder und Jugendliche. Frühzeitige Einblicke in Forschung und Technologie könnten das Interesse an naturwissenschaftlichen Ausbildungs- und Berufswegen fördern.
Dominic Weiss, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, stellte den Zusammenhang mit dem Wiener Life-Sciences-Sektor her. Für die langfristige Entwicklung des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts seien neben wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen auch Bildungs- und Vermittlungsangebote von Bedeutung.
Experimentierworkshops für Schulklassen
Die Jubiläumsaktivitäten werden im Oktober mit zusätzlichen Angeboten für Schüler fortgesetzt. Fünf Schulklassen, die bei einer Verlosung gewonnen haben, erhalten die Möglichkeit, kostenlos an einem Workshop im Vienna Open Lab teilzunehmen.
Der Bedarf an praktischen Wissenschaftsangeboten zeigt sich nicht zuletzt an den Besucherzahlen und der anhaltend hohen Nachfrage nach Kursplätzen.
Nach 25 Jahren Open Science und 20 Jahren Vienna Open Lab bleibt damit eine zentrale Aufgabe bestehen: wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur zu vermitteln, sondern Menschen die Möglichkeit zu geben, Forschungsmethoden selbst kennenzulernen und Forschung kritisch nachzuvollziehen.
