Den Schätzungen nach beträgt der Wasserfußabdruck in Österreich rund 4.700 Liter pro Person und Tag. | © Unsplash/Elibet Valencia Munoz
Hitze, weniger Niederschlag und ein gleichzeitig steigender Wasserbedarf erhöhen den Druck auf die Wasserversorgung in Österreich. Besonders deutlich werden die Folgen in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Wie sich Wasser künftig resilienter bewirtschaften lässt, steht am 13. Oktober im Mittelpunkt eines Symposiums des forum. ernährung heute (f.eh).
Der Sommer 2026 hat die Herausforderung verschärft. Laut dem hydrologischen Monitoring des zuständigen Bundesministeriums lag die Temperatur zwischen Juni und August um 2,7 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Gleichzeitig fiel um 32 Prozent weniger Niederschlag.
Steigende Temperaturen wirken dabei mehrfach auf den Wasserkreislauf: Die Verdunstung nimmt zu, Böden trocknen stärker aus und Flüsse führen weniger Wasser. Während Hitzeperioden steigt zugleich der Bedarf. Wie stark einzelne Regionen betroffen sind, hängt unter anderem von Böden, Vegetation, Grundwasserständen und Niederschlagsverteilung ab.
Ernährung prägt den Wasserfußabdruck
Eine zusätzliche Perspektive eröffnet der sogenannte Wasserfußabdruck. Er berücksichtigt nicht nur den unmittelbar sichtbaren Verbrauch, sondern auch das „virtuelle Wasser“, das für die Herstellung von Produkten benötigt wird.
Den Schätzungen nach beträgt der Wasserfußabdruck in Österreich rund 4.700 Liter pro Person und Tag. Knapp drei Viertel davon entfallen auf die Ernährung. Damit rücken neben dem privaten Wasserverbrauch auch landwirtschaftliche Produktion, Verarbeitung und Konsum in den Mittelpunkt.
„Wasser verbindet nahezu alle Bereiche unseres Ernährungssystems. Wir brauchen es für den Anbau, die Aufzucht und Verarbeitung unserer Nahrungsmittel ebenso wie für Hygiene und nicht zuletzt als Lebensmittel selbst“, sagt Marlies Gruber, Geschäftsführerin des forum. ernährung heute.
Roman Neunteufel von der BOKU University wird beim Symposium die Zusammenhänge zwischen virtuellem Wasser, Lebensmittelproduktion und Konsum näher beleuchten.
Landwirtschaft braucht regionale Strategien
Besonders unmittelbar wirkt sich ein verändertes Wasserangebot auf die Landwirtschaft aus. Einheitliche Lösungen greifen dabei zu kurz: Welche Anpassungen sinnvoll sind, hängt von Kulturarten, Böden, Niederschlägen, Grundwasserständen und den jeweiligen regionalen Klimabedingungen ab.
Mit diesen Wechselwirkungen beschäftigt sich Hermine Mitter vom Institut für Umweltsystemwissenschaften der Universität Graz. Ihre Forschung verbindet Umwelt- und Agrarökonomie mit Klimawandel und menschlichem Verhalten.
Eine übergeordnete Perspektive auf die Entwicklung der Wasserressourcen bringt Günter Blöschl von der TU Wien ein. Der Hydrologe, der 2025 mit dem Stockholm Water Prize ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich beim Symposium mit den Auswirkungen von Klimawandel und Dürren auf die Süßwasserversorgung und mit Veränderungen der Wasservorräte in Österreich.
Wassermanagement entlang der Wertschöpfungskette
Die zentrale Herausforderung besteht damit nicht allein darin, den direkten Wasserverbrauch zu reduzieren. Gefragt sind auch Anpassungen in Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Wassermanagement, die unterschiedliche regionale Voraussetzungen berücksichtigen und Nutzungskonflikte bei zunehmenden Extremwetterereignissen abfedern.
„Durch Wasser wird ersichtlich, wie eng Umwelt, Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Konsum miteinander verflochten sind“, sagt Gruber. Beim Symposium „Wasser unter Druck: Über Klima, Konsum und Kreisläufe“ sollen deshalb am 13. Oktober Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft und Umweltorganisationen über mögliche Anpassungen diskutieren.
