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© Fotos: Lunghammer/TU Graz, Bernhard Wolf
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Digitaler Schub

Die Digitalisierung der Wirtschaft wurde während der Pandemie stark vorangetrieben. Doch wie sieht es in der Produktion aus? Industrie 4.0 ist zwar in aller Munde, die digitale Umsetzung steckt aber noch oft in den Anfängen.

von: Alfred Bankhamer

Die Corona-Pandemie und die Lockdowns hat die Unternehmen sehr unterschiedlich getroffen. Viele waren schon an internationale Video-Meetings gewöhnt und hatten ihre Prozesse weitgehend digitalisiert. Das gilt besonders für den F&E-Bereich. Da konnten aktuelle Herausforderungen oft einfach mit Knopfdruck erledigt werden. Digitale Technologien sind nun nicht nur bei den großen Konzernen, sondern auch bei kleineren Unternehmen angekommen, wie die aktuelle Studie „Digitaler Wandel im österreichischen Mittelstand“ von EY Österreich zeigt. 80 Prozent der 628 befragten mittelständischen Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter*innen gaben digitalen Technologien eine mittelgroße oder sehr große Bedeutung für ihr Geschäftsmodell. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 77 Prozent. 29 Prozent der Befragten sehen die Rolle der Digitalisierung für ihr Geschäft sogar sehr groß. Cloud Computing wollen 16 Prozent, Data Analytics 12 Prozent und KI zehn Prozent der Unternehmen einführen. Auf der anderen Seite plant rund die Hälfte der KMU in Österreich gar keine digitalen Investitionen. Die wollen also noch gewonnen werden, damit sie auch künftig im Wettbewerb mithalten können.

Dazu wurden Einrichtungen wie die Digital Innovation Hubs oder Initiativen wie das „Haus der Digitalisierung“ gestartet. Hier entsteht bei der FH Wiener Neustadt in Niederösterreich im Jahr 2023 auf 4.200 m2 ein Zentrum, das insbesondere KMU bei der digitalen Transformation begleiten und innovative Unternehmen auch beherbergen soll. Ini-tiativen dieser Art gibt es einige. In Vorarlberg bietet etwa das „V-Netzwerk Intelligente Produktion“ breite Unterstützung in Sachen Digitalisierung.

 

Industrie 4.0
Das Thema Digitalisierung ist in der Industrie, die sich besonders dem internationalen Wettbewerb stellen muss, schon lange ein großes Thema. Doch trotz schon fast wieder angestaubter Schlagworte wie Industrie 4.0 oder Smart Production steckt die Umsetzung oft noch in den Kinderschuhen. Das zeigt etwa eine Umfrage des Marktforschungsinstitut Yougov im Auftrag des Handelsblatt Research Institute und Teamviewer unter 1.452 Unternehmensentscheidern in zehn europäischen Ländern. Erst knapp ein Viertel der Unternehmen hat demnach mit der digitalen Transformation ihrer Produktion begonnen. Mehr als die Hälfte hat noch nicht einmal eine Strategie dafür entwickelt, obwohl über 70 Prozent der Befragten durch die digitale Transformation eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit am Arbeitsplatz erwarten und gar 82 Prozent eine Steigerung der Effizienz, 81 Prozent eine Erhöhung der Qualität und des Dienstleistungsniveaus sowie der Senkung der Kosten. Die wichtigsten Technologietrends sind laut der Studie Cybersicherheit (27 Prozent), digitale Plattformen (25 Prozent), das Internet of Things (25 Prozent), Cloud-Dienste (24 Prozent). Themen wie die Blockchain sehen nur zwölf Prozent als nahen Trend. Die größten Hindernisse sind der vermutete Zeit- und Kostenaufwand (32 Prozent), der für die Einführung erforderlich ist, sowie Bedenken zur IT-Sicherheit (28 Prozent).

Digitale Risiken
Dem Thema Risken in der smarten Produktion widmete sich wiederum eine aktuelle Studie des Markforschungsunternehmen techconsult für Hiscox. So sind in Deutschland schon 79 Prozent der Industrieunternehmen der Maschinenbau- sowie Elektro- und Elektronikindustrie zumindest in einigen Bereichen auf digitale Tools für die Automatisierung, Cloud Services oder Fernwartung angewiesen. Obwohl 62 Prozent der Entscheider angaben, dass durch die Digitalisierung auch die digitalen Risiken zunehmen werden, bewertete nur knapp ein Drittel die aktuellen Datenschutz- und Cyberrisiken als kritisch.

Piloten ist nichts verboten
Um der österreichischen Industrie den nötigen Digitalisierungsschub zu geben, gibt es zahlreiche Initiativen sowie einige mehr oder weniger große Pilotfabriken wie beispielsweise an der TU Wien, TU Graz, FH Technikum Wien, JKU Linz, FH OÖ, FH Salzburg und vielen anderen Orten. In dieser Test- und Forschungsumgebungen zur Entwicklung neuer Produkte, Prozesse und komplexer Fertigungssysteme wird zugleich hochspezialisierte Expertise geboten, die Studierende und Unternehmen bei Projekten unter die Arme greift. Die Pilotfabriken dienen ebenfalls dazu, neue Systeme sowie dank der Digitalisierung auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Die erste große Pilotfabrik startete 2015 mit der TU Wien in der Seestadt in Wien-Aspern. Den jüngsten Schub brachte die „smartfactory@tugraz“, die ziemlich genau vor einem Jahr den Vollbetrieb mit zahlreichen Projektpartnern aus der Industrie aufnahm. Vier Millionen Euro wurden hierzu investiert. Aktuelle Projekte beschäftigen sich etwa mit Leichtgewichtsbrillen für Augmented Reality oder der autonomen Rekonfiguration von mobilen Arbeitsstationen.

Vernetzung der Industrie
Auf Initiative der Plattform Industrie 4.0 werden nun die Pilotfabriken auch über die Grenzen hinaus vernetzt wie im Rahmen des Interreg V-A Programms Österreich – Tschechische Republik. Gemeinsam mit der Polytechnischen Hochschule Jihlava und strategischen Partnern wie EIT Manufacturing, ecoplus, Wirtschaftsagentur Wien und Business Upper Austria wird die länderübergreifende Zusammenarbeit intensiviert, um den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu intensivieren und die Innovationsfähigkeit auf beiden Seiten zu stärken.

In Wien fand übrigens Mitte März auch die CEUP 2030 Abschlusskonferenz statt. Das Interreg-Projekt „Central Europe Upstreaming for Policy Excellence in Advanced Manufacturing & Industry 4.0 towards 2030” umfasst zehn Organisationen aus Deutschland, Italien, Kroatien, Österreich, Polen, Slowenien und Ungarn mit dem Ziel, die Digitalisierung der Produktion in den CEE-Ländern voranzutreiben. Schwerpunktthemen waren Künstliche Intelligenz, Robotik & Automatisierung, Intelligente Produktionssysteme sowie Smarte und neue Materialien.

EIT Manufacturing
In Wien wurde zugleich auch Österreichs erste Niederlassung der europäischen Wissens- und Innovationsgemeinschaft EIT Manufacturing vorgestellt und feierlich eröffnet. Das EIT Manufacturing Co-Location Center East in der Seestadt in Wien-Aspern wird im Rahmen des FFG-Programmes „Produktion der Zukunft“ gleich von drei Ministerien (BMBWF, BMDW und BMK) unterstützt, was zugleich die breite gesellschaftliche Bedeutung dieses Projektes unterstreicht. Im neuen Center East befindet sich auch das neue Innovationslabor „MIT.IC.AT“, das österreichische Firmen aus dem Produktionsumfeld in die EIT Wissens- und Innovationsgemeinschaft integrieren und die europäische Vernetzung im Produktionsbereich beschleunigen will.

„Produktionswertschöpfungsketten machen vor nationalen Grenzen nicht halt – deshalb ist es notwendig, sich untereinander abzustimmen. Ein gemeinsames Verständnis über die Potenziale von Industrie 4.0, aber auch das Wissen um nationale Strategien, Förderprogramme und Kooperationsmöglichkeiten ist das Fundament für die wirtschaftliche Weiterentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit der Region Zentraleuropa“, betont Roland Sommer, Geschäftsführer Plattform Industrie 4.0 Österreich.

Best & Worst Cases
Die Plattform Industrie 4.0 fördert den Austausch und das gegenseitige Lernen rund um die Digitalisierung der Produktion schon seit einigen Jahren und hat jüngst das neue Format „Industrie 4.0: Business Fails“ gestartet. Wenn gescheiterte Projekte auch oft sehr viel Geld und Ressourcen kosten, bringen sie trotz alledem sehr wichtige und wertvolle Erkenntnisse. Der Austausch darüber soll etwas von der Fehlerkultur, die etwa im Silicon Valley gepredigt wird, nach Österreich bringen. Wahrer Erfolg stellt sich oft erst ein, wenn man ein paar Mal gescheitert ist.

Klüger ist es aber wohl, sich vorab über mögliche Probleme, Hindernisse und Fallen zu informieren. Der nächste Fixpunkt für die smarte Produzenten findet übrigens mit dem „Summit Industrie 4.0 Österreich“ am 30. Mai im Rathaus Wien statt. Hier werden neben neuesten Schlüsseltechnologien die „Best of Industrie 4.0: Cases“ vorgestellt. Auch da kann man sicher einiges lernen.


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